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1985 kurz vor der Konfirmation durfte ein Freund von mir und ich in den Kirchenchor der neuapostolischen Kirche in Giengen / Brenz. 

Wir wurden vom Chorleiter in die Männerstimmen gesteckt, einer in den Tenor und einer in den Bass und bei jeder Chorprobe durften wir untereinander wechseln so dass jeder von uns beide Stimmen lernen durfte.

Oftmals kam auch die Frage an den Chor ob man eine Passage des Werkes begriffen hat und wenn alle "ja" sagten wurde aus jeder Stimme einer ausgewählt und man durfte vor dem ganzen Chor als Quartett singen, das war bei uns Buben verhasst hat uns aber schnell weiter gebracht.

Der Chorgesang hat mir sehr viel Spaß gemacht und so blieb ich 35 Jahre im Kirchenchor.


Schon nach etwa einem Jahr also 1985 frug mich der Kirchenmusikleiter Günter Joos ob ich die Orgel erlernen möchte, das war mein Stichwort denn ich liebte dieses Instrument. Ich sagte "ja" und meine Freude wurde beim ersten Unterricht sofort wieder getrübt denn ich saß nicht an der mir so geliebten Orgel sondern am Harmonium. Dort wurde mir dann in den ersten Schritten der Fingersatz usw gezeigt und nach ein paar Wochen durfte ich dann in der Nachbargemeinde den Wochengottesdienst am Harmonium begleiten.

Ich kann mich noch gut an den ersten Wochengottesdienst erinnern, es war der Horror. Nach dem Gottesdienst kam die eigentliche Organistin Käthe zu mir und lächelte mich an, der Kirchenmusikleiter Günter Joos kam auch zu uns und lächelte, Käthe sah mich an und fragte mich "wie oft übst du" und meine Antwort war "einmal in der Woche". Sie schaute mich an und sagte "das ist viel zu wenig". Ich erklärte ihr, dass ich zuhause kein Harmonium habe und nur vor der Chorprobe den Schlüssel für die Kirche bekomme dass ich üben kann. Sie lächelte und sagte zu mir "Du hast ein Fahrrad, dann komm immer wenn Du Lust hast zu mir und übe bei mir und ich bringe es Dir bei denn ich war lange Zeit Organistin und habe zuhause auch ein Harmonium". Ich freute mich extrem und nahm das Angebot mehr als gerne an denn von unserem Kirchenmusikleiter bekam ich nur den Grundsatz gezeigt aber keinen weiteren Unterricht.

In jeder freien Minute fuhr ich zu ihr und bekam Unterricht, durfte üben, üben, üben.

Nach kurzer Zeit merkte auch der Kirchenmusikleiter dass es viel besser klappte und eines Samstagabend klingelte bei meiner Mutter das Telefon und der Kirchenmusikleiter war dran und wollte mich sprechen. Das was ich dann am Telefon hörte werde ich nie vergessen "Johnny, wir haben morgen keinen Organisten in der Kirche, könntest Du wenigstens das Eingangslied spielen, du bist soweit dass du an die Orgel kannst" wow, ich weiß noch wie ich sprachlos war, ich stotterte "ja" und er meinte dann "komm eine Stunde früher und ich erklär dir kurz die Orgel, Registrierung brauchst du nicht zu machen, ich stelle alles ein".

Am nächsten morgen saß ich auf einmal an dieser rießigen Orgel und hatte bammel ohne Ende denn jeder konnte mir auf die Finger schauen da die Orgel vorne neben dem Altar stand. Mir wurde alles gezeigt aber ich konnte mir nichts merken so nervös war ich. Der Kirchenmusikleiter lachte und sagte "Johnny das schaffst du schon". Kurz vor dem Beginn des Gottesdienstes kam meine Orgellehrerin zu mir an die Orgel (vor allen Leuten) nahm mich in den Arm und sagte "Du schaffst das, ich bin so stolz auf Dich".

Der Gottesdienst ging los und ich spielte, spielte und spielte. Geplant war nur das Eingangslied, doch zum Schluss frug mich der Dienstleiter ob ich noch ein Lied könnte er möchte gerne zum Schluss nochmal mit der Gemeinde singen. Ich stand da mit knallrotem Kopf und sagte ihm ein Stück was ich noch einigermaßen konnte und er lächelte und sagte ok, dann singen wir gemeinsam dieses Lied, ich setzte mich an die Orgel und wieder spielte und spielte ich, so als ob keiner dabei wäre.

Nach dem Gottesdienst nickten mir viele Glaubensgeschwister zu und meine Lehrerin kam auf mich zu, nahm mich in den Arm und sagte "Ich wusste dass du es schaffst" und ich sah dass sie Tränen in den Augen hatte. Auch der Kirchenmusikleiter kam zu uns und lächelte über beide Ohren und sagte zu ihr "Käthe du hast einen wunderbaren Job gemacht, du hast diesem Jungen gelehrt das was du kannst" und zu mir sagte er "Johnny ab heute stehst du mit im Orgeldienstplan".

Ja was soll ich sagen, ich spiele bis heute noch, zwar nicht mehr in dieser Kirche aber weiterhin mit viel Freude und Elan in verschiedenen Gemeinden.