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Ebenfalls 1985 sollte ich von unserem Kirchenmusikleiter Günter Joos aus in den Dirigentenunterricht doch zwei Tage vor Beginn hieß es dann vom Gemeindepriester aus "Johnny wir haben dich wieder abgemeldet da du aus dieser Familie stammst". Hmmm naja, wie ich mich da gefühlt habe brauche ich hier wohl nicht schreiben, denn keiner kann was für seine Familie.

Und so war der Traum Dirigent zu werden erstmal geplatzt.

Ein Jahr später war ich in der kaufmännischen Wirtschaftschule und da gab es einen Schulchor wo ich mich sofort anmeldete.

Bei der ersten Probe frug mich der Oberstudienrat, Musikpädagoge & Akademieleiter in welche Stimme ich möchte und meine Antwort war "das ist mir egal ich habe beide Stimmen gelernt", er schaute mich an und frug "wo" und ich sagte "im Kirchenchor der Neuapostolischen Kirche". Er lächelte und man sah er freute sich sehr und steckte mich in den Bass.

Ein paar Wochen später kam er auf mich zu und sagte "Du, Johnny ich habe nicht immer die Zeit den Chor zu leiten, könntest Du das übernehmen" ich schaute ihn an und sagte "ich bin kein Dirigent, in der Kirche wurde mir das verwehrt" (ich erzählte im die ganze Geschichte). Er war sehr erstaunt über diese Geschichte und setzte sich auf seinen Stuhl und schaute mich nur an. Dann kam die Möglichkeit die ich schon geglaubt habe nie mehr in meinem Leben zu bekommen, er schaute mich an und frug "willst du noch Dirigent werden" und meine Antwort kam wie aus der Pistole "ja". Dann kam eine Aussage die mein Leben bis heute veränderte, "Johnny ich habe eine Musikakademie und wenn Du möchtest dann trage ich dich in den Studiengang Musikvermittlung ein und lehre Dir das Dirigat für Chor und Orchester mit allem drum und dran". Ich war sprachlos und innerlich zerriss es mich denn ich wusste ich kann mir als Schüler ein Studium nicht leisten.
Der Oberstudenrat & Musikpädagoge schien zu ahnen was in meinem Kopf gerade vorging und sagte "mach dir über die Kosten keine Gedanken, du machst so spitze im Chor mit, bist immer da und vor allem du liebst das Musizieren, das Studium kostet dich nichts.

Ich weiß noch wie wenn es gestern gewesen wäre, ich schrie auf und sprang ihm um den Hals, denn mein innigster Traum sollte Wahrheit werden.

Die nächsten zwei Jahre bekam ich intensiven Unterricht von diesem Oberstudienrat & Musikpädagogen und als ich die kaufmännische Schule verließ war ich auch am Ende meines Studiums an der Akademie. An meinem letzten Schultag war auch nochmal eine Chorprobe des Schulchores und selbstverständlich ging ich nochmal hin um mich von den Sängerinnen und Sängern vor denen ich auch sehr oft gestanden habe zu verabschieden. 

Als ich in den großen Musiksaal kam standen alle auf und jubelten und ich dachte "was haben die denn". Dann kam mein Oberstudienrat & Musikpädagoge um die Ecke und rief mich zu sich und dann kam mein schönster Tag in meinem Leben. Er stand lachend vor mir und sagte zu mir "Du weisst nicht warum die hier alle jubeln, gell" und ich schüttelte nur den Kopf, dann gab er dem Chor ein Zeichen ruhig zu sein und sagte mir "Johnny das ist heute Dein letzter Schultag und somit verlässt du leider auch diesen Chor. Jeder hier weiss dass Du Dein Studium zur Musikvermittlung in meiner Akademie gelernt hast und sie wissen auch dass Du Deine Prüfung schon hattest. Heute möchte ich Dir vor all diesen Musikern Dein Diplom und Dein Zeugnis überreichen, herzlichen Glückwunsch Herr Diplomdirigent". 

Der Chor rastete aus und ich stand überglücklich vor ihnen und meinem Oberstudienrat und wusste ich muss jetzt was sagen, doch das war garnicht so einfach denn meine Stimme war irgendwie weg.

Als meine Stimme einigermaßen wieder da war hielt ich eine sehr kurze Abschieds- & Dankesrede denn mir viel einfach kaum was ein was ich sagen soll so verblüfft war ich über diese Überraschung und so extrem freute ich mich über mein Diplom und mein Diplomzeugnis, ich hatte es geschafft.

Anschließend gab es noch eine Feier die der gesamte Chor organisiert hatte (denn jeder ausser mir wusste bescheid was an meinem letzten Schultag sein wird, hmmmm :-) ).

Ich schaute öfters noch in den Chorproben als Gast vorbei und für mich war es auch selbstverständlich dass ich bei jedem Auftritt des Chores dabei war.

Ein paar Jahre und den Einsätzen in kleineren Orchestern später bekam ich dann eine Anfrage ob ich als Dirigent und musikalischer Direktor das Jugendsymphonieorchester Süd leiten möchte. Mit der Antwort ließ ich mir etwas Zeit, denn ich wollte zuerst mit jemandem reden den ich sehr schätzte und der mich alles was ich wusste gelehrt hatte. Und so rief ich bei meinem Oberstudienrat und Musikpädagogen an und bat ihn um einen Termin den ich auch sofort bekam und so kam es dass ich mich mit ihm wieder in meiner alten Schule traf und ihm erzählte welche Anfrage bei mir einging. Er schaute mich an und sagte "und was willst du nun von mir" ich war etwas verdutzt denn diese Antwort war nicht so freundlich wie ich ihn bisher kannte, ich schaute ihn an und sagte "ich weiß nicht ob ich das machen soll und ob ich das schaffe", wow ich habe nie erlebt dass dieser Mensch wütend war, doch in diesem Moment war er es und er sagte "Johnny was hast du bei mir gelernt und du hast allen immer erzählt wenn sie zu was kommen wollen dann müssen sie üben, üben, üben und nun stellst du mir diese Frage", ich schaute beschämt auf den Boden und wusste, er hatte recht. Ich dankte ihm und schaute dass ich so schnell wie möglich raus kam :-) ).

Zuhause rief ich den Verein der bei mir angefragt hatte an und sagte zu und wurde mit gerade mal 21 Jahren musikalischer Direktor und Chefdirigent des Jugendsymphonieorchester Süd das ich 7 schöne und wunderbare Jahre leiten und führen durfte.

1999 habe ich meine Herzensaufgabe dort dann aus beruflichen Gründen aufhören müssen und meine letzte Orchesterprobe werde ich auch nie vergessen, denn als ich meinen jugendlichen sagte dass ich aufhören muss, stand die erste Violine auf und sagte "wenn Du aufhörst dann höre ich auch auf" und wir alle schauten auf sie und dann kam der Moment der mich heute noch zu Tränen bewegt, denn viele andere sind dann auch aufgestanden und haben gesagt dass sie dann auch nicht weiter machen, das tut mir bis heute in der Seele weh denn das waren alles meine Kids und wir hatten viel Freude und Spaß sowie schöne Erfolge.

Anschließend gab es ein paar Jahre keine Musik für mich, aber nicht wegen dem Orchester sondern aus beruflichen und privaten Gründen. Doch nach ein paar Jahren Abstinenz (ausser als Sänger und Organist) hielt ich es nicht mehr aus und machte auch als Dirigent weiter.

Ich frug bei der Kirche in der ich war an ob ein Dirigent gebraucht wird und man sagte mir "ja es wird einer gebraucht aber Dein ausserkirchliches Diplom erkennen wir nicht an du musst in unseren Dirigentenkurs" wow dachte ich, was soll das denn nun wieder und keiner mit dem ich mich unterhalten habe verstand diese Aussage. 

Also ging ich in den Dirigentenkurs der Kirche und als das erste Dirigat von mir dort anstand stellte ich mich vor die Teilnehmer die auch gleichzeitig den Chor bildeten und dirigierte das vorgegebene Lied und etwa zur Hälfte des Liedes sah ich wie die Kursleiterin grinste und als das Lied vorbei war kam sie zu mir und sagte "ok, alte Schule". Nachdem der Kurs beendet war durfte ich dann als Vicedirigent mehrere Chöre mitleiten.

Schnell wurde ich auch vorübergehend der musikalische Leiter des kleinen Singleorchesters das aus lauter Singels dieser Kirche bestand.

Nebenbei war ich viele Jahre als freelancer in verschiedenen Orchestern (symphonisch sowie auch reine Blasorchester) als Dirigent und mit dem E-Bass als Kontrabass- / Tubenersatz sowie in Chören als Dirigent tätig.

Mittlerweile bin ich ja im gesetzteren Alter :-) und bin daher auf der Suche nach einem festen Bestandsorchester das ich bis zu meinem musikalischen Ende leiten und führen darf, dabei ist es mir egal ob das ein symphonisches Orchester, ein symphonisches Blasorchester oder eine Blaskapelle ist, hauptsache ich darf mit den Musikerinnen und Musikern "unser Leben die Musik" machen.

Nebenbei plane und durchführe ich noch so manches musikalisches Projekt hauptsächlich im Benefiz Bereich und erlerne weitere Instrumente wie zb das Schlagzeug da ich dieses Instrument auch sehr liebe weil ich schon als Kind immer hinter meinem Mitschüler Michael Baisch stand als er bei Auftritten der Stadtkapelle Giengen / Brenz gespielt hat.